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Achtung beim Arztbesuch: Das e-Rezept kommt noch 2021

Der Lipobay-Skandal im Jahr 2001 forderte tausende Opfer. Unerforschte Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten Lipobay und Gemfibrozil zwangen Bayer schlussendlich zum sofortigen Verkaufsstopp des gleichnamigen Präparats. Und so entstand die Vision eines elektronischen Rezepts, das fälschungssichere Verschreibungen ermöglicht und zugleich vor bekannten Wechselwirkungen zwischen den verschreibungspflichtigen Arzneimitteln der Patient*innen warnt.

Neu war die Idee nicht. Schon im Jahr 1993 bei der Vorstellung der Spezifikationen für die elektronische Gesundheitskarte fiel der Gedanke an digitale Rezepte – wenn auch in einem Sketch. Dass die Umsetzung des e-Rezept doch so lange auf sich warten ließ, liegt vor allem daran, dass erst im Jahr 2016 die rechtlichen Voraussetzungen für rechtsbindende, elektronische Signaturen geschaffen wurden.

Es ist endlich soweit

Erst jetzt – rund 30 Jahre später – ist es endlich soweit. Aktuell laufen die Umstellungen der Telematik auf Hochtouren, denn Mitte des Jahres soll es losgehen. Ab 1. Juli können Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen das e-Rezept von Ihren Ärzt*innen ausgehändigt bekommen, mit Beginn des Jahres 2022 wird es sogar verpflichtend für alle Fertigarzneimittel.

Das tatsächliche Rezept wird dabei fälschungssicher auf einem Server der telematischen Infrastruktur abgespeichert. Die Patient*innen erhalten im Anschluss einen sogenannten Rezept-Token über eine Smartphone-App, die seine Krankenversicherung bereitgestellt. Dieser Token ist zur Entschlüsselung des Rezepts in der Apotheke erforderlich.

Für ältere Patient*innen und solche ohne Smartphone ist auch weiterhin ein Papierausdruck vorgesehen. Statt des klassischen, handunterschriebenen Rezepts handelt es sich hierbei aber um einen QR-Code, hinter dem sich der Rezept-Token verbirgt. An der tatsächlichen technischen Umsetzung ändert sich hier also nur wenig, vielmehr handelt es sich beim haptischen Rezept nur um eine maschinenlesbare Papierform des Rezept-Tokens.

Was kommt als Nächstes?

Hier soll die Digitalisierung des Gesundheitswesens noch lange nicht aufhören. Der nächste Schritt sei, die Bestellung bei Versandapotheken und der stationären Konkurrenz anzubieten, ohne dass die Nutzer*innen die Apotheke gar erst aufsuchen müssen. Kritiker*innen fürchten, die Wirtschaftlichkeit lokaler Apotheken werde noch weiter zurückgehen, wenn sich die Lobby der Online-Apotheken durchsetzt. So monieren Expert*innen auch die Kooperation zwischen IBM als technischen Realisator des e-Rezepts mit dem Schweizer Unternehmen eHealth-Tec, zu deren Mutterkonzern auch die Versandapotheke DocMorris gehört.

Perspektivisch ist auch die Rezept-Bereitstellung aufs Smartphone ohne vorherigen Besuch bei den Hausärzt*innen für widerkehrende Medikamente in Diskussion.